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Schule für Ghana

Hintergründe

Schreinerschülerin

Es ist für Europäer kaum noch vorstellbar: nicht Lesen oder Schreiben zu können. Während bei uns über die zunehmende Zahl von Schulabbrechern, Schulschwänzen und wenig motivierte Schüler diskutiert wird, gehen Schüler im Norden Ghanas bis zu 14 Tagen zu Fuß, um z. B. zu unserer Berufsschule nach Bole zu kommen. Nach Angaben des Bistums Damongo sind ca. 96 % der Mädchen und 80 % der Jungen Analphabeten. Gleichzeitig verweist Bischof Philipp immer wieder darauf, dass vor allem eine gute Schulbildung die Situation im Norden Ghanas nachhaltig verändern könnte. Selbst die Regierung im Süden Ghanas hat dies realisiert und verstärkt Schulen gegründet. Staatliche Grund- und Mittelschulen werden in absehbarer Zeit fast flächendeckend vorhanden sein. Allerdings muss Schulgeld gezahlt werden. 5 ? pro Monat für die Grundschule ? für uns ?Peanuts?, für viele Mädchen und Jungen aber unerschwinglich, denn viele Eltern argumentieren, dass sie auch keine Schulbildung hätten und ihre Kinder lieber auf den Feldern helfen sollten. Insbesondere für Mädchen sei Schulgeld eine nutzlose Investition, denn ?Kinder kriegen und Kochen kann man auch ohne Schulbildung?. Ein fataler Kreislauf, der nur schwer zu durchbrechen ist. Die katholische Bischöfe im Norden Ghanas versuchen deshalb auf verschiedenen Ebenen die Bedeutung von Bildung zu verdeutlichen: In Predigten und Katechesen versuchen sie, die Bedeutung von Bildung für die Zukunft der Region zu verdeutlichen, Schulen wurden gegründet, Internate wurden gebaut, Stipendien werden vergeben, u.v.a.m. Bei unserer Reise 2005 waren wir Zeugen, wie Bischof Philipp vor allen wichtigen Chef?s und hunderten Gläubigen eine deutliche Ansprache hielt, die tags darauf selbst in Accra in Fernsehen und Presse eine zitiert wurde.

Doch was geschieht, wenn Jugendliche die Schule erfolgreich abgeschlossen haben? Wer es sich irgendwie leisten kann, geht in den Süden des Landes, um dort einen Beruf zu erlernen und dann natürlich auch dort zu leben, da die Chancen für einen Job wesentlich besser sind. Die Konsequenz dieser Entwicklung ist absehbar: Der ohnehin unterentwickelte und für den Staat uninteressante Norden wird weiter verarmen, weil qualifizierte Frauen und Männer abwandern. Dabei ist diese Situation keineswegs aussichtslos. Mit vorangegangenen Projekten haben wir bereits bewiesen, dass mit gezielter Hilfe an strategisch wichtigen Orten die Situation nachhaltig verändert werden kann. Deshalb haben wir seit 1998 nach Absprache mit Bischof Philipp und unserer Partnergemeinde in Bole eine Berufsschule begonnen.

 

 

 

Bisherige Entwicklung

Auf Grund der räumlichen Verlagerung des Wasserprojektes sind vor drei Jahren auf dem Gelände der Pfarrei zwei Lagerhallen frei geräumt und umgestaltet worden. So entsandt ein Klassenraum und eine Holzwerkstatt. Weitere Werkbänke worden unter einem Schutzdach aufgestellt. Außerdem wurde ein Schuppen in einen Schlafraum umfunktioniert und drei Mauern, die an den Schuppen angemauert werden, dienen als Dusche. Durch geschickte Verhandlungen gelang es der Gemeinde auch, sofort die staatliche Anerkennung ?dieser Schule? zu erlangen. Trotz der staatlichen Anerkennung muss die Kirchengemeinde Personal- und Sachkosten für die Schule weitgehend selbst tragen. Spenden der vergangenen Jahre wurden u. a. dafür verwand, zwei qualifizierter Lehrer anzustellen und einen Teil der Sachkosten zu begleichen. Ähnlich wie in Deutschland müssen private Schulen zunächst drei Jahre vom Träger finanziert werden. Bevor der Staat eine weitere Finanzierung übernimmt. Diese wird aber nie 100% erreichen. Deshalb wird der der Unterricht schon jetzt so organisiert, dass aus den praktischen Übungen Produkte entstehen, die verkauft werden können. Allerdings ist dies begrenzt, da die Schule über keine Transportmöglichkeiten verfügt und deshalb Produkte kaum vermarkten können. Hier gibt es bereits Überlegungen, einen kleinen Transporter anzuschaffen. Inwieweit sich dies realisieren lässt, hängt u. a. vom Spendenaufkommen ab. Anmerken darf ich hier, dass es ernstzunehmende Überlegungen gibt, auf diese Weise das Projekt ?UNIMOG FÜR GHANA? dahingehend zu wiederholen, ein solches Fahrzeug ebenfalls auf dem Landweg nach Ghana zu bringen.

Seit drei Jahren werden nun Tischler und seit einem Jahr auch Maurer ausgebildet und es bedarf nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass die Räumlichkeiten inzwischen viel zu klein sind. Auch wenn man damit kalkuliert, dass auf Grund des Klimas oft im Freien unterrichten kann, sind die Bedingungen unzumutbar und machen einen guten Unterricht zunehmend schwierig. Aus diesem Grund, ist ein Neubau unbedingt notwendig.

 

Stand des Projektes

Bauplatz neue Schule

Und hier sind wir zunächst bei den Schwierigkeiten des Projektes. Denn was in Deutschland die Bürokratie, ist in Ghana das ?Palaver? zwischen den Chefs, dem Bischof und der Kirchengemeinde. Man kann in Ghana z. B. nicht einfach ein Grundstück kaufen. Das Land gehört den Stämmen, in Bole den Gonjas. Somit muss zunächst der Chef überzeugt werden, Land zur Verfügung zu stellen. Seit 2005 haben wir nun ein Grundstück. Theoretisch hätte man nun ein Bauunternehmen mit dem Bau der Schule beauftragen können. Aber die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass die Dorfbewohner unbedingt mit eingebunden werden müssen, sonst akzeptieren sie ein Projekt nicht als das ihrige. Die Dorfbewohner sind aber überwiegend Farmer, die nur während der Regenszeit außerhalb ihrer Felder arbeiten können. Somit hat sich der Baubeginn immer wieder verzögert. Im Februar 2007 wird nun gerodet und mit dem Bau begonnen. Dabei werden die Lehrlinge ?ihre Schule? weitgehend selbst bauen. In einem ersten Bauabschnitt sind vier Gebäudekomplexe geplant: zwei Lehrwerkstätten, drei Klassenräume, ein Internat mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen und Räume für die Lehrer. Kosten liegen derzeit bei rd. 30.000 ?. Der Hungermarsch 2005 und die Sternsingeraktionen 2006 und 2007 haben einen soliden Grundstock gelegt, so dass wir das Projekt ohne Schwierigkeiten beginnen können. Außerdem ist am 24. November 2007 der nächste Hungermarsch geplant. Wenn auch dort viele Läufer und Spender motiviert werden können, ist die Finanzierung des Bauabschnittes gesichert.

Perspektive

Das enorme Interesse junger Frauen und Männer an einem qualifizierten Schulabschluss führt dazu, dass die Schule über den ersten Bauabschnitt hinaus vergrößert werden muss.

Aber ein weiteres Problem muss gelöst werden. Allen ausgebildeten Handwerkern soll im Norden Ghanas eine Perspektive finden. Denn sonst könnte es passieren, dass auch sie in den Süden abwandern. Eine Überlegung ist, Frauen und Männern, die im Norden bleiben wollen, eine Existenzgründung zu ermöglichen. Seit Jahren bewährt und in diesem Jahr mit einem Nobelpreis ausgezeichnet, ist der Gedanke von Mikrokrediten. Die Praxis hat gezeigt, dass mit relativ geringem finanziellem Aufwand ein funktionierendes ?Wirtschaftssystem? entwickelt werden kann. Auf diese Weise kann unser Schulprojekt weitergeführt werden.

 

Schüler lernen das Formen von Steinen
Provisorischer Klassenraum
Schreinerwerkstatt der Schule
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18.05.09 10:06 Afrikanisches Kochbuch zu Gunsten der GHANAAKTION!
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